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Bildmitte: Hüseyin Sitki


16. Türkisches Filmfestival Frankfurt

Frankfurt, 30.10.2016. Was für ein Abend! Das 16. Türkische Filmfestival Frankfurt startete gestern mit einer pompösen Eröffnungsgala im Palais im Zoo. Rund 400 Gäste ließen es sich nicht nehmen, mit den Ehrengästen Güngör Bayrak und Nuri Alço, dem türkischen Generalkonsul der Stadt Frankfurt Mustafa Çelik und Festivalleiter Hüseyin Sıtkıden Auftakt des diesjährigen Türkischen Filmfestival zu feiern. Für musikalische Highlights zwischendurch sorgten die Geigerin Ceren Aksan, die bekannte Songs aus Rock und Pop spielte und die Jazzband rund um Saxofonist SavaşBayrak. Zum Finale gab die Sängerin Ayşegül Aldinç ein Konzert, bei dem jeder im Saal ihre bekanntesten Hits mitsang. Moderiert wurde der Abend von der deutsch-türkischen Schauspielerin Sıla Şahin und Schauspieler Yetkin Dikinciler.

16. Türkisches Filmfestival Frankfurt



Das besondere Highlight: Zum Filmfestival sind zahlreiche türkische Filmemacher, Schauspieler und Sänger eingeladen. Darüber hinaus werden die besten aktuellen Produktionen des türkischen Kinos in sieben Kategorien mit dem Festivalpreis „Goldener Apfel“ ausgezeichnet. Das Filmprogramm wird auch in diesem Jahr durch ein vielfältiges Rahmen- und Begleitprogramm bestehend aus Filmwett- bewerben (Spielfilmwettbewerb, Binationaler Studentischer Kurzfilm-Wettbewerb), Preisverleihungen (Ehrenpreise, Zuschauerpreis, Posthumer Ehrenpreis), Ausstellungen, Konzerten, Podiumsdiskus- sionen, Gesprächsrunden, Seminaren und Kulturprojekten ergänzt. Die Hauptsäule des Festivals bilden traditionsgemäß die Filme aus der Türkei. Neben dem regulären jährlichen Filmprogramm, mit dem das Festival das gegenwärtige türkische Kino für ein breites Publikum zugänglich macht, haben die Organisatoren seit dem 14. Festivaljahr den anspruchsvollen türkischen Film noch effektiver ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Zu diesem Zweck wurde das Festivalprogramm mit der Einführung eines Wettbewerbs aktuellster Spielfilmproduktionen aus der Türkei erweitert.

Gestern fand dann die Eröffnungsfeier des Türkischen Filmfestivals im CineStar Metropolis statt. Nach dem Abendprogramm, gab es eine exklusive Vorstellung des diesjährigen Eröffnungsfilms „Annemin Yarası“ (Die Wunde meiner Mutter).

Ab heute beginnt das eigentliche Festival. Die knapp 40 Filme werden nicht nur in den Frankfurter Kinos gezeigt, sondern auch in Offenbach und Langen. Neben türkischen Filmen laufen außerdem Produktionen aus Deutschland und Europa. Alle Filme werden im Original mit deutschen oder englischen Untertiteln gezeigt. Auch in der Max-Beckmann-Schule und der Justizvollzugsanstalt Preungesheim werden dieses Jahr Filme im Rahmen der Projekte „Festival in den Schulen“ und „Festival im Gefängnis“ gezeigt.
Dank gebührt Hüseyin Sitki, dem Gründer des Türkischen Filmfestivals Frankfurt und den zahlreichen Sponsoren, die das Filmfestival erst ermöglicht haben. Hüseyin Sitki bekam 2014 das Bundes- verdienstkreuz von Bundespräsident Gauck verliehen. Die Ehre gebührte Sitki nicht nur wegen des Festivals, er hatte sich auch in der Jugendarbeit mit jungen Migranten große Verdienste erworben. Er ist hauptberuflich als Berater beim International Office der Goethe-Universität tätig. Vor 16 Jahren dann begann er sein – aus heutiger Sicht gesehen – Hauptwerk, das Türkische Filmfestival. „Ich meine, dass man mehr Menschen durch die Überzeugungskraft des Films gewinnen kann als durch irgendetwas anderes“, erklärte Sitki seine Initiative, die schon lange zum Kulturprogramm der Stadt Frankfurt gehört.

Ziel des Türkischen Filmfestivals ist seit langem, einen Beitrag zur interkulturellen Verständigung zu leisten. Das Festival will Botschafter des türkischen Films sein, Cineasten die Vielfalt des türkischen Kinos näher bringen und den Kulturaustausch fördern. 2016 ist ein ganz besonderes Festivaljahr, da das türkische Kino sein 100. Jubiläum feiert. Veranstalter des Festivals ist der Verein „Transfer zwischen den Kulturen“.




(TE)

Hessischer Kino- und Filmpreis 2016


Hessischer Film- und Kinopreis 2016 - Die Alte Oper verzaubert vom Glanz und Glamour der Stars & Sternchen

Frankfurt, 21.10.2016. Frankfurts Alte Oper glich einer märchenhaft schönen Hollywood Filmgala. Zahlreiche prominente Schauspieler, Filmregisseure und Drehbuchautoren betraten das Hauptportal über den roten Teppich, wo sie vom Scheinwerferlicht der Kamerateams und dem Blitzlichtgewitter der Fotografen empfangen wurden.

Unter den zahlreichen Gästen, Stars und Sternchen waren u.a.: Susann Atwell, Anna Bederke, Luise Befort, Margarita Broich, Klaus Maria Brandauer, Florian Barthomäi, Pepe Danquart, Heino Ferch, Samuel Finzi, Ella Maria Gollmer, Jule Gölsdorf, Dunja Hayali, André Hennicke, Nele Kieper, Nikolai Kinski, Germany´s Next Top-Model Kim Hnizdo, Axel Milberg, Franziska Reichenbacher, Bärbel Schäfer, Thomas Sarbacher, Rike Schmid, Jochen Schropp, Bülent Sharif, István Szabó, Birthe Wolter, Dennenesch Zoudé, Bürgermeister Uwe Becker und der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst Boris Rhein.

Fotos: Valentina Vuckovic

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Was in einem Kino begann, ist zu einem großen Abend im Rahmen der Frankfurter Buchmesse herangewachsen. Der Hessische Film- und Kinopreis wird bereits seit 1989/1990 in verschiedenen Kategorien vergeben und ist mit insgesamt 185.000 Euro dotiert. Die Förderpreise und Auszeichnungen für Schauspieler, Filmemacher und Kinobetreiber werden einmal jährlich vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Zusammenarbeit mit der Hessischen Filmförderung verliehen.

Die diesjährige Verleihung fand am Freitagabend in Alten Oper Frankfurt statt. "Margarita Broich" wurde als "Beste Schauspielerin“ für ihre Rollen in der hr-Produktion "Tatort: Wendehammer“, sowie in der Degeto-Produktion "Aufbruch“ ausgezeichnet. Sie sei ein Phänomen, eine Verwandlungskünstlerin, die keine komplizierten Frisuren-Kreationen braucht, um eine andere zu werden. "Immer ist da diese umwerfende Körperlichkeit, mit der sie aus jeder Figur einen Solitär formt, der in keine Schublade passt" und dann leuchtet sie als Tatort-Kommissarin Anna Janneke, tanzt verführerisch und feminin, ist charmant und selbstbewusst und trickst selbst einen Zehnjährigen mit einem überraschenden Torschuss aus, so die Jury, die sich aus Liane Jessen (Leiterin Fernsehspiel und Spielfilm des Hessischen Rundfunks), Herbert Knaup (Schauspieler), David Ungureit (Drehbuchautor), Tanja Ziegler (Produzentin) und Christel Schmidt (Jury-Vorsitz, FS Programm- Management des Hessischen Rundfunks) zusammensetzte.

"Bester Schauspieler“ wurde "Heino Ferch" für seine Rolle in der Degeto-Produktion "Allmen und die Libellen“. An der Seite des kongenialen "Samuel Finzi" gelingt es Heino Ferch, eine Figur von internationalem Format zu schaffen, die ein kleines bisschen über dem Boden zu schweben scheint und aus Haltung allerbeste Unterhaltung macht. Als "Johann Friedrich von Allmen" spielt er einen abgebrannten Lebemann, sympathischen Snob und Frauenheld, stets charmant, der selbstsicher und cool auch mit den größten Gefahren umgeht. Er verkörpert diese Rolle mit einer solchen stilis- tischen Sicherheit und erkennbaren Spielfreude, dass man ihm vom ersten Moment an gebannt und lustvoll bei jeder Schurkerei folgt und stets auf seiner Seite ist. Wartet man anfangs noch auf den Moment, in dem die Figur kippt und ihre Maske ablegt, so freut man sich im weiteren Verlauf des Filmes, dass dieser Moment ausbleibt. Heino Ferch spielt mit Grandezza und zeigt mit jeder Geste, jedem Blick, dass Stil keine Frage von Reichtum ist, sondern allein von der Haltung abhängt. An der Seite des kongenialen Samuel Finzi gelingt es Heino Ferch, eine Figur von internationalem Format zu schaffen, die ein kleines bisschen über dem Boden zu schweben scheint und aus Haltung allerbeste Unterhaltung macht.

Der "Ehrenpreis" des Hessischen Ministerpräsidenten ging an "Klaus Maria Brandauer". Der 73-jährige Schauspieler und gebürtige Österreicher, der zuvor auf dem roten Teppich fleißig für Fotos posiert hatte, zeigte sich überglücklich: "Ich bin froh, dass die Leute mich noch erkennen." International wurde er 1981 bekannt mit der Rolle des Hendrik Höfgen in der Verfilmung des Klaus-Mann-Buches Mephisto unter der Regie von István Szabó. Zwei weitere Zusammenarbeiten mit Szabó folgten mit Oberst Redl (1985) und Hanussen (1988). Alle drei Filme wurden für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert, Mephisto erhielt die Auszeichnung. Einen weiteren großen internationalen Kinoerfolg feierte Brandauer als Maximilian Largo an der Seite von Kim Basinger, als Gegenspieler von Sean Connery im James-Bond-Film "Sag niemals nie" (1983). An der Seite von Connery spielte Brandauer 1990 erneut in dem hochgelobten Spionagethriller "Das Rußland-Haus."
Der Hessische Ministerpräsident "Volker Bouffier" hob hervor: „Klaus Maria Brandauer ist einer der herausragenden deutschsprachigen Theater- und Filmschauspieler der letzten 35 Jahre. Er nennt eine erstaunliche schauspielerische Vielfalt sein eigen, die er mit einer einnehmenden Präsenz verknüpft, mit der er sein internationales Publikum begeistert. Bereits ein Gigant an seiner künstlerischen Heimat, dem Wiener Burgtheater, drückt er mit „Mephisto“ über Nacht auch dem Kino seinen Stempel auf und bringt so Nicht-Theatergänger in den Genuß seiner überwältigenden Kunst. Große internationale Rollen folgten, doch Brandauer zieht es immer wieder zum Theater - als Schauspieler aber auch als Regisseur. Nicht zu vergessen seine Inszenierungen von Berthold Brechts „Dreigroschen-Oper" oder Richard Wagners Oper „Lohengrin". Klaus Maria Brandauer hat ein Gesamtkunstwerk geschaffen, vor dem ich mich zutiefst verneige.“

Regisseur "Gordian Maugg" erhielt für die Produktion "Fritz Lang“ den Preis in der Kategorie "Bester Spielfilm“. Ein Film über die Regielegende "Fritz Lang" – das ist in Anbetracht seines sagenhaften Talents und seiner durchaus dramatischen Lebensgeschichte während politisch und sozial sich drastisch verändernder Zeiten kein leichtes Unterfangen. Der schwarz-weiß Streifen "Fritz Lang", entstand in einer Koproduktion mit Belle Epoque Films GmbH und Gordian Maugg Film- und Fernsehproduktionen in Zusammenarbeit mit dem ZDF und arte. Die Jury meinte dazu: Eine ästhetisch gelungene Collage von fiktionalen Schauspielszenen und historischem Archivmaterial. Letztlich ist es der bemerkenswerte Schnitt, welcher neben der historisch anmutenden darstellerischen Leistung des Schauspielensembles diesen biographischen Essay erzählt. Gordian Mauggs Film über Fritz Lang ist ein furioses Kunstwerk über einen großen, nicht unumstrittenen Künstler.

Der deutsche Star-Regisseur Fritz Lang (Heino Ferch), der mit den „Nibelungen“-Filmen und „Metropolis“ Stummfilmmeisterwerke schuf, will etwas Neues: Er will seinen ersten Tonfilm drehen, nachdem der Bombast früherer Tage nicht länger gefragt ist. Auf der Suche nach dem passenden Stoff reist er 1930, gebeutelt durch die erkaltete Beziehung zu seiner Frau Thea von Harbou (Johanna Gastdorf), von Berlin nach Düsseldorf, wo er die polizeilichen Ermittlungen des bekannten Kriminalrats Gennat (Thomas Thieme) verfolgt. Gennat befasst sich mit dem brutalen Serienmörder Peter Kürten (Samuel Finzi), dem „Vampir von Düsseldorf“. Er erhält die einmalige Gelegenheit, sich in einem Tête-à-Tête Einblick in die Psyche des Mörders zu verschaffen und gerät dabei selbst in einen Strudel persönlich unverarbeiteter Erinnerungen. Doch während die Ereignisse ihren Lauf nehmen und sich in Langs Kopf der Plot zu einem Film formt, der später zu „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ werden soll, wird der Regisseur in der fremden Umgebung von seiner Vergangenheit eingeholt und muss in Abgründe blicken, die er nicht erwartet hat.

In der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" machte "Ghostland – The View Of The Ju/‘Hoansi" das Rennen. Der Zuschauer wird von vier Bewohnern der Kalahari, die Ju/'Hoansi-San, eine der ältesten Jäger- und Sammlerkulturen, mit auf eine Reise nach Europa, eine für sie unbekannte, moderne Welt, genommen. Regie führten Simon Stadler und Catenia Lermer. Die Erkenntnis der Ju/'Hoansi-San, dass das Leben in der Heimat immer noch am schönsten ist, hat auf den Zuschauer eine nachhaltige Wirkung und regt zur Reflektion an. Das spürbar lebendige Wesen der Hauptdarsteller, die hier von der Touristenattraktion selbst zum Touristen werden, sowie ihre forschergleiche Neugier finden dabei schnell die Aufmerksamkeit der Zuschauer und lassen sie bis zum Ende nicht mehr los. Sie halten ihm mit ihrer berührenden Authentizität einen Spiegel vor, ohne dass der Film belehrend sein will.

Der Animationsfilm "Ships passing in the night", der das Thema Flucht und Begegnung aufgreift wurde "Bester Kurzfilm", Regie: Elisabeth Zwimpfer. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass der sehr direkte Ton, das Voicing, die Hintergrundgeräusche und die melodische Musik die ästhetische Atmosphäre verstärken. Gerade diese Ästhetik in Kombination mit der aktuellen Thematik, machen den Kurzfilm in der Wirkung so direkt und ehrlich – und einzigartig. „Like Ships Passing in the Night“ ist eine englische Redewendung, die eine kurze, zufällige, vielleicht nie mehr wiederkehrende Begegnung zweier Menschen symbolisiert.

Der "Hessischer Hochschulfilmpreis" ging an den Film "Nächstenliebe". "An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ So beschreibt das Buch "Levitikus, Kapitel 19,18" das Gebot "Nächstenliebe“ in der Tora, welches Simon Pilarski, Absolvent des Fachbereichs Filmproduktion der Hochschule Darmstadt, zum Gegenstand seines Abschlussfilms macht. Dabei zeigt er, dass die Nächstenliebe bisweilen missverstanden und im schlimmsten Falle auch missbraucht wird.

Sein 22-minütiger Kurzfilm setzt im Jahre 1889 ein. Der junge Müllerssohn Lukas, dessen strenger Vater ihm seinen sehnlichsten Wunsch, nur einen Tag lang das Dorf zu verlassen, verbietet, vertraut sich dem Pfarrer an. Von ihm erfährt er von einem geheimen Kloster in den Bergen. Jahre später macht sich Lukas, nun ein junger Mann, mit drei Gefährten auf den Weg dorthin. Schnell erkennen sie, dass dies ein Ort voller Tücken und Gefahren ist und Lukas ist gezwungen, sich einem furchtbaren Dämon zu stellen. Selbst als erwachsener Mann wird er diesen nicht los. Jury Begründung: Die Vielschichtigkeit des Themas wird in den drei Erzählebenen des Plots aufgegriffen, wobei ihm auch hier die filmtechnischen Übergänge und die inhaltliche Verknüpfung trotz Mehrfachbesetzung des Protagonisten sehr gut gelingen. Schließlich verleiht Simon Pilarski seinem Film mit auf die Szenen perfekt abgestimmter Musik die Krönung, so dass der Zuschauer bis unter die Haut ergriffen ist.

Der "Hessischer Drehbuchpreis" wurde an "Herr Klee und Herr Feld" verliehen. Wenn man beim Lesen eines Drehbuchs den fertigen Film bereits vor Augen hat und sich freut die filmische Real- isierung bald auf der Leinwand sehen zu können, dann ist es wohl ein sehr gelungenes Drehbuch. Dass der jüdische Autor "
Michel Bergmann" das Schreiben beherrscht, ist unumstritten, und dass er mit seinem Drehbuch „Herr Klee und Herr Feld“ die Jury überzeugen konnte, liegt vielleicht auch daran, dass er schon mit seinem gleichnamigen Roman, der im Jahre 2013 erschien, das Lesepublikum begeisterte. Was ist also das Geheimnis?

Es sind die liebenswerten Figuren und die vielen gegensätzlichen Motive, mit denen die Story gespickt ist und die der Autor mit seinem Talent für detaillierte Beobachtung schildert: Die beiden Hauptfiguren, ein emeritierter Professor der Sozialpsychologie und ein mittelloser Schauspieler, beide jenseits der Sechzig, verbringen ihren Lebensabend gemeinsam in einer Villa im Frankfurter Westend. Die unterschiedlichen Charaktere befinden sich quasi im Dauerzwist, der, als unverhofft eine junge, sympathische Frau in ihr Leben tritt, weiter angefeuert wird. Hier treffen nicht nur Jung und Alt aufeinander, sondern Araberin und Juden – das noble Frankfurter Viertel wird zum Schauplatz des Nahost-Konflikts. Die Dialoge zwischen den Protagonisten sind lebendig und unterhaltsam, wobei auch melancholische Momente, z. B. wenn den beiden Herren die Unaufhaltsamkeit des Alters bewusst wird, nicht fehlen. Trotz aller Gegensätze verbringen die Figuren eine wundervolle Zeit, denn eines verbindet sie und lässt alle Grenzen vergessen: die Musik. Dass die konfliktbeladene Story am Ende mit einem glücklichen Ausgang aufwartet, dürfte das Arthouse-Publikum 40+ freuen, denn wer verlässt den Kinosaal nicht gerne mit einem Lächeln auf den Lippen und einem wohligen Gefühl im Bauch.

Michel Bergman, der seine Jugend in Frankfurt verbracht hatte, verarbeitet viel von seinen eigenen Erfahrungen und das merkt man der Story auch an. Mit viel Herzblut hat er ein formal wie inhaltlich überzeugendes Drehbuch abgeliefert und konnte die Jury auf ganzer Länge überzeugen.

Die Jury setzte sich zusammen aus Hans Joachim Mendig, Geschäftsführer HessenFilm und Medien (Juryvorsitz), Dennenesch Zoudé, Schauspielerin, Christian Bührmann, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Prof. Wilhelm Weber, Dekan des Fachbereichs Media, Hochschule Darmstadt und Drehbuchautor Peter Zingler.

Der mit insgesamt 95.000 Euro dotierte "Kinokulturpreis" wurde an zwölf gewerbliche und acht nicht gewerbliche Kinos in Lich, Frankfurt, Kassel, Witzenhausen, Lauterbach, Darmstadt, Kassel, Marburg, Wiesbaden, Eschborn, Schlüchtern und Weiterstadt verliehen.

Laut der Jury ist die hessische Kinolandschaft von Vielfalt geprägt: In den urbanen Zentren finden sich Studenteninitiativen, kollektiv betriebene Kinoinitiativen, klassische Arthousecenter, Programmkinos, Filmmuseen oder kommunale Kinos. Insbesondere die Landeshauptstadt wartet mit zwei großartigen Playern auf, die sich wunderbar ergänzen. Auf dem Land schaffen es Kinos in Lauterbach, Lich oder Schlüchtern mit ihren Programmen ein wahrer Kulturmagnet zu sein und das Herzstück ihres Ortes. Während in den Städten die Kinos sich Herausforderungen wie der Konkurrenz durch andere Freizeit- und Kultureinrichtungen stellen, kämpfen die Landkinos erstaunlich erfolgreich mit einem vermeintlichen Standortnachteil.

Jurymitglieder waren hierbei: Maike Mia Höhne (Kuratorin Berlinale Shorts), Iris Praefke (Geschäftsführerin Moviemento Kino, Berlin), Christiane Schleindl (Leiterin Filmhaus, Nürnberg), Hans Joachim Mendig (Jury-Leitung, Geschäftsführer HessenFilm und Medien)

Die Jurybegründung für den "Hessischer Kinokulturpreis für gewerbliche Kinos" lautete: Das KINO TRAUMSTERN in Lich, das CAPITOL KINO in Witzenhausen, das LICHTSPIELHAUS in Lauterbach und das MAL SEH’N in Frankfurt haben mit ihren prallen Programmen die Jury überzeugt und erhalten einen Spitzenpreis. Alle vier Kinos leisten unabhängig von ihrem Umfeld bemerkenswerte Arbeit und beweisen Mut zum Neuen. Die Digitalisierung bietet neue Möglichkeiten, die sie einfallsreich nutzen. Filme können früher disponiert werden, Originalfassungen können problemlos an »OmU«-Tagen laufen. Trotzdem halten sie analoge Projektoren für Festivals oder Klassiker vor.

Das MAL SEH’N Kino in Frankfurt zeigt regelmäßig Filme in Originalsprache mit oder ohne Untertitel. Dies ist nach wie vor eine Besonderheit und unbedingt unterstützenswert. Ergänzend zeigen sie nun auch Filme mit Audiodeskription.

Das KINO TRAUMSTERN versteht es sein internationales Programm mit ansprechenden Zusatzveranstaltungen und Filmgästen zu bereichern. Es gibt thematisch programmierte Vorfilme und von Kindern animierte Trickfilme, um nur einige der tollen Programmideen zu nennen. Das CAPITOL KINO in Witzenhausen hatte über 250 verschiedene Filme im Programm und platziert ebenso wie das LICHTSPIELHAUS Lauterbach ganz selbstverständlich und erfolgreich Filmkunst neben Mainstream. Beide Kinos zeichnen sich durch ein hohes persönliches Engagement der Betreiber aus und wurden im vergangenen Jahr mit einem Besucheranstieg belohnt.

Die Jury war begeistert von den vielen tollen Ideen und der liebevollen Programmgestaltung. Die Kooperationen der Kinos sind bemerkenswert und bringen neuen Austausch und Input. Dieses leidenschaftliche und beständige Engagement der Kinobetreiberinnen und Kinobetreiber ist für das Publikum spürbar und wird auch in der Presse positiv wahrgenommen.

Die Jurybegründung für den "Hessischen Kinokulturpreis für nicht gewerbliche Kinos und Kinoinitiativen": Seit 1974 ist das kommunale Kino Weiterstadt das einzige Kino vor Ort und schafft es seit Jahrzehnten ein breit gefächertes Publikum von jung bis alt zu erreichen und zu begeistern. Die fein abgestimmte Gestaltung des Programms erfolgt im Kollektiv. Dabei setzen die Kinomacherinnen und Kinomacher neben aktuellen Arthousefilmen auch auf Kurzfilme, Klassiker und Dokumentarfilme. Kinder und Jugendliche binden sie auf bemerkenswerte Art und Weise in die Programmgestaltung ein. Auch Filmreihen, Festivals und Sonderveranstaltungen mit Gästen stehen auf dem Programm oft in aufwendigen Programmheften präsentiert, manchmal sogar mehrsprachig. Das findet die Jury rundum ausgezeichnet, so dass es hier, neben der hervorragenden Arbeit der anderen nicht gewerblichen Kinos- und Kinoinitiativen einmal besonders herausgehoben werden soll.

Dank für diese traumhaft schöne Preisverleihung gebührt dem Veranstaltungsteam von der Barbarella Entertainment GmbH, welches die Galaveranstaltung perfekt organisierte, sowie den zahlreichen Helfern.




(TE)


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